„Schuhe für Bokoji“
Philipp Lahm-Stiftung übergibt Schuhe in Äthiopien
Viel Zeit und Einsatz wurden investiert und etliche bürokratische Hürden mussten genommen werden, doch am Ende konnte die Philipp Lahm-Stiftung ihr erstes Projekt in Afrika verwirklichen. Im Dezember 2008 verteilte Dr. Cornelia Schmoll im Hochland von Äthiopien 350 paar Laufschuhe an junge Sportler. Gemeinsam mit ARD-Reporter Alexander Göbel, dessen Reportagen über die Trainingsbedingungen der Läufer die Hilfsaktion ins Rollen brachte, reiste die Kuratoriumsvorsitzende der Philipp Lahm-Stiftung kurz vor Weihnachten nach Bokoji und brachte die Hilfsaktion zu einem erfolgreichen Abschluss.
Lesen Sie Frau Dr. Schmolls Reisereportage zur „Wiege der Läufer“
Vor uns liegt eine staubige rot-braune Schotter- und Sandpiste, die sich schier endlos durch die Kornfelder des äthiopischen Hochlandes schlängelt. Wir, das heißt Alex Göbel von der Deutschen Welle, Tadesse Engdaw, unser äthiopischer Kontaktmann vor Ort, je ein Fahrer für unsere beiden Jeeps und ich, befinden uns auf dem Weg nach Bokoji, einem Dorf mit ca. 17.000 Einwohnern 105 km südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Dort wollen wir Kinder und Jugendliche treffen, die vor allem ein Ziel haben: sie wollen laufen und als Läufer erfolgreich werden. Denn aus Bokoji und den umliegenden Dörfern kommen die berühmtesten Langstreckenläufer der Welt: Haile Gebrselassie, Kenenisa Bekele, Tirunesh Dibaba, um nur einige zu nennen.
Unterstützt wird unser Projekt von der Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts e.V. und von Menschen für Menschen, der Äthiopienhilfe von Schauspieler Karlheinz Böhm. Ohne ihren Beitrag wäre unsere Aktion nicht möglich. Bokoji ist ein wenig von der Welt abgeschnitten. Es liegt auf über 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Hierhin führt keine geteerte Straße und auch die Überlandleitungen sehen aus, als stammten sie aus einer längst vergangenen Zeit. Es ist sechs Uhr morgens. Gelegentlich passieren wir kleinere Dörfer oder Häuseransammlungen. Sie bestehen größtenteils als Lehmhütten. Ich frage mich, wie diese in der Regenzeit, die zweimal jährlich mit aller Heftigkeit über diesen Landstrich hereinbricht, Bestand haben sollen.
Laufen als Volkssport
Es gibt keine Autos, häufigstes Transportmittel ist der einachsige Pferdekarren. Immer wieder begegnen uns Esel. Sie dienen zum Reiten oder als Lasttier. Da es keine Trinkwasserversorgung gibt, wird auch das Wasser mit Eseln geholt, tapfer schleppen die kleinen Tiere die schweren Kanister auf ihren Rücken. In Bokoji angekommen, beschließen wir, gleich zum „Stadion“ zu fahren, um möglichst keine Minute des morgendlichen Lauftrainings zu verpassen. Laufen ist in Äthiopien eine Art Volkssport. Für die Kinder und Jugendlichen im äthiopischen Hochland ist das Laufen nicht nur eine Möglichkeit, durch die Aufnahme in ein Laufteam Karriere zu machen und dem heimischen Elend zu entrinnen.
Es bedeutet für sie auch unermesslich viel, einmal Erfolg zu haben, die Anerkennung und die Bewunderung anderer zu verspüren, respektiert zu sein und im gemeinsamen Training ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu entwickeln. Deshalb ist es so wichtig, die äthiopischen Läufer zu fördern. Es ist eine Form der nachhaltigen „Hilfe zu Selbsthilfe“. Es dient dazu, den Kinder und Jugendlichen, die perspektivlos aufwachsen, Selbstvertrauen und ein Ziel zu geben.
Das wollen wir unterstützen und deshalb stehen wir nun mit unseren beiden Jeeps, die bis übers Dach vollgepackt sind mit nagelneuen Adidas-Laufschuhen, mitten im Stadion von Bokoji. Das Stadion muss man sich als Grasplatz vorstellen, aus dem eine ovale Laufbahn herausgemäht wurde. An den Längsseiten der Bahn, befinden sich die „Tribünen“, mit Gras überwucherte Erdaufschüttungen, die Spuren von Sitzreihen erkennen lassen. Auf diesen Tribünen sitzen zur morgendlichen Stunde ungefähr fünfzig junge Menschen.
Disziplin und Einsatz
Im Laufe der nächsten zwei Stunden soll ihre Zahl auf weit über dreihundert anwachsen. Die jungen Läufer sitzen still und diszipliniert. Sie warten auf eine Anweisung ihres Trainers, von allen liebevoll Coach genannt. Der Coach ist ein älterer Herr mit freundlichem Gesicht. Er trainiert die Jugendlichen seit vielen Jahren. Täglich. Mit vollem Einsatz. Ehrenamtlich. Die Sportler sind ärmlich ausgestattet. Die Schuhe sind zerschlissen und vielfach mit grober Wolle geflickt und mit Plastik-Klebestreifen repariert. Die Kleidung hat nur wenig Ähnlichkeit mit unserer Sportkleidung, sie passt häufig nicht und ist ziemlich dreckig. Viele der Kinder und Jugendlichen trainieren in löchrigen Wollpullovern oder Strickjacken.
Das Training beginnt. In kleinen Gruppen, eingeteilt nach Alter und Laufstärke, drehen die Läufer ihre Bahnen. So viel Disziplin, aber auch so viel Enthusiasmus und Begeisterung habe ich selten bei jungen Sportlern beobachtet. Sie sind stolz, unglaublich stolz, dass sie uns ihr Können und ihre Leistung vorführen können. Vergessen sind die kaputten Schuhe und das schlechte Material der Kleidung. Nun wird gelaufen.
Nach einer verkürzten Trainingseinheit von ungefähr einer Stunde beschließen wir, unsere Verteil-Aktion zu beginnen. Wir laden die Schuhe aus dem Auto und sortieren sie nach Größen. Die Läufer staunen. So viele neue Schuhe. Als Geschenk. Und das hier, wo es selten etwas umsonst gibt. Der Coach und seine Assistenten holen große und dicke Bücher hervor, in denen die Namen ihrer Schützlinge und ihre Trainingsergebnisse verzeichnet sind.
Geordnetes Verteilen bei hektischem Drängeln
Anhand dieser beginnen wir nun, die Schuhe zu verteilen. Zunächst läuft es ruhig ab. Je kleiner jedoch unsere Stapel von Kartons werden, desto größer wird die Ungeduld. Es scheint, als befürchten manche, dass sie mit leeren Händen nach Hause gehen müssen. Es wird lauter. Die Sonne brennt. Die jungen Leute beginnen zu drängen. Ich weiß nicht mehr, wo ich zuerst hinlangen soll. Der Coach herrscht seine Schützlinge an. Es wird schlagartig ruhiger. Zumindest für ein paar Minuten. Dieses Spiel, geordnetes Verteilen, hektisches Drängeln, ein scharfes Wort des Coaches, wird sich in den nächsten drei Stunden zigfach wiederholen.
Dann haben wir alle unsere Schuhe verteilt. Die jungen Läufer sind begeistert. Dass ein junger deutscher Fußball-Star das für sie macht, ihnen eine solche Freude bereitet, hätten sie in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet. Ich sehe, dass die ersten bereits ihre neuen Schuhe anhaben und damit freudestrahlend ihre Runden drehen. Schön, die glücklichen Gesichter zu sehen. Nach fünf Minuten beginnt die Hektik von Neuem.
Sie singen für Philipp Lahm und seine Stiftung. Sie danken ihm und rufen ihren Dank laut hinaus. Der Coach tritt auf mich zu und äußert eine Bitte: die jungen Athleten wünschen sich ein Poster von ihrem neuen Helden, welches sie künftig zu Höchstleistungen anspornen soll. Endlich haben sie das Gefühl: da ist jemand, der glaubt an uns. Der Stolz über eine solche Anerkennung ist auf den Gesichtern zu lesen und wir wissen: wir haben genau das Richtige getan.
- Flash ist Pflicht!
DW-Radioreportage: "Schuhe für Bokoji" (Alexander Göbel; Dezember 2008)
Auftaktpressekonferenz - Schuhe für Bokoji
Alexander Göbel (DW-Reporter), Dr. Cornelia Schmoll (Philipp Lahm-Stiftung), Miodrag Soric (Chefredakteur DW-RADIO), Tilo Braune (Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts); © Bayerischer Rundfunk / Deutsche Welle / Fotograf Ralf Wilschewski
Am Mittwoch, den 22. Oktober 2008 fand in München im Bayerischen Rundfunk eine Pressekonferenz zum Thema „Schuhe für Bokoji“ statt, dem neuen Projekt, das durch die Philipp Lahm–Stiftung gefördert wird.
In Bokoji, der so genannten „Wiege der Läufer“ im äthiopischen Hochland, trainieren zahlreiche Kinder und Jugendliche barfuß auf steinigen Wegen. Sie laufen ihrem Traum vom Athleten-Leben entgegen. Jeden Tag - zur Schule, zum Kühe hüten, zum Brennholz suchen oder Wasser holen, um eines Tages in die Fußstapfen erfolgreicher Läufer wie Haile Gebreselassie zu treten, die in der Heimat wie Pop Stars verehrt werden.
Deutsche Welle-Reporter Alexander Göbel war für die ARD in Äthiopien unterwegs, um von dort über junge Läufer und ihre Träume von einer Sportkarriere zu berichten. In seinen Reportagen zeichnete er das Bild vom harten Alltag der jungen Athleten, die ohne Laufschuhe, ohne Ausrüstung, auf rotem Schotter statt auf einer Tartanbahn trainieren.
Es entstand die Idee, Geld für Sportausrüstung zu sammeln und diese den jungen Sportlern zu übergeben. Für die Umsetzung dieses Vorhaben konnte die Deutsche Welle die Philipp Lahm-Stiftung sowie die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts gewinnen. Bei der Auftaktveranstaltung in München wurde das ambitionierte Projekt nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
So stellt die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts 15.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Und Frau Dr. Schmoll, die Vorsitzende des Philipp Lahm-Kuratoriums, die für den verletzten Nationalspieler an der Pressekonferenz teilnahm, konnte bereits auf 450 Paar Laufschuhe verweisen, die adidas der Philipp Lahm-Stiftung gespendet hat. Darüber hinaus sicherte der Sportartikelhersteller auch seine Hilfe für den Transport der Ausrüstung nach Äthiopien zu.
Derzeit wird mit Hochdruck an den Transportmöglichkeiten sowie einer Zollfreistellung für die Sportausrüstung gearbeitet, damit der Transport noch im Dezember über die Bühne gehen kann. Die bevorstehende Reise wird erneut von der Deutsche Welle für die ARD journalistisch begleitet und die Philipp Lahm-Stiftung sorgt vor Ort für ordnungsgemäße Verteilung der Schuhe.
Kontakt: info
philipp-lahm-stiftung.de















