Soccer in Philippi

Fußball ist der Sport in Südafrika – unendlich viele Kinder und Jugendliche spielen Fußball und benötigen einfachste Unterstützung, denn natürlich ist in den Elendsvierteln weder Geld für Training vorhanden, noch für Ausbildung – geschweige denn für Ausflüge zu Fußballspielen mit Mannschaften aus benachbarten townships oder gar zu Turnieren.

 

Die Philipp Lahm – Stiftung für Sport und Bildung unterstützt Kinder und Jugendliche und fördert das Lutheran Community Centre iThema Labantu (Xhosa für "Hoffnung für die Menschen"), das in Philippi, Kapstadt, beheimatet ist und von dem Berliner Pfarrer Otto Kohlstock geleitet wird.

 

Kirche als Sportstätte

 

Bisher wird dem örtlichen Nachwuchs bereits ein Fitness-Studio sowie Karate-Kurse angeboten – beides im Kirchenschiff, das außerhalb der Gottesdienste sowohl als Versammlungsraum als auch als Sportstätte dient.
          
Ziel der Unterstützung ist es, die mit dem Fußball verbundenen Werte wie Team- und Sportsgeist, Regelkunde etc. auf regelmäßiger Basis den betreuten Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, um eine Aufhellung des normalen Township-Lebens zu erreichen.

 

Möglichkeit für Fort- und Weiterbildung

 

Kinder und Jugendliche sollen so angesprochen werden und aus der „Spirale nach unten“ (Alkohol, Drogen, Kriminalität, HIV) entkommen. Des Weiteren kommen die Kinder und Jugendlichen mit den Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung in Kontakt, die im Centre angeboten werden. Es werden sowohl Computerkurse angeboten wie auch zertifizierte Ausbildungen in der Autowerkstatt.

Weitere Informationen zum Engagement der Stiftung finden Sie demnächst hier, zu den vielfältigen Aktivitäten des Lutheran Community Centre unter www.themba-labantu.de.

 




Lagebericht

Meist übersteigen diese Hütten nicht die Größe eines Wohnzimmers und doch leben dort oft 15 oder mehr Menschen. Obwohl es in den Supermärkten Kapstadts wirklich alles zu kaufen gibt, ist der Hunger ein zentrales Problem in den Townships. Häufig können die Menschen schlichtweg nicht das Geld aufbringen, um sich und ihrer Familie etwas zu essen zu kaufen. Eine finanzielle Unterstützung vom Staat, vergleichbar mit unserem Sozialversicherungssystem, gibt es hier nicht. Diese Missstände führen zu Frustration, Perspektivlosigkeit und Aggression, die sich meist in Gewalt wiederspiegeln.

Gerade die Jugend leidet sehr unter diesen Umständen. Oft haben sie allein erziehende Mütter oder leben bei der Grossmutter. Es fehlt ihnen demnach eine männliche Vorbildfigur, an der sie sich orientieren können und die die nötigen Grenzen setzt. Diese suchen sie sich dann allzu oft auf der Straße, wo Drogen, Alkohol und Waffen das Statussymbol sind. Durch das Tragen einer Waffe wird ihnen das Gefühl von Sicherheit und Macht gegeben, das ihnen ihre Umgebung nicht geben kann. Eine Möglichkeit, die Jugend zu beschäftigen und die fehlende Vaterfigur wenigstens teilweise zu ersetzen, bietet der Fußball, der sie Disziplin, aber auch Selbstvertrauen lehrt. Jedoch mangelt es auch da an ausreichenden Mitteln.

„I play because I don’t want to stand in corner and we end up use drugs and carry guns“ (15 jähriger Spieler unseres Clubs: Ich spiele, weil ich nicht in der Ecke stehen möchte und irgendwann Drogen nehme und Waffen trage). Dieser Satz  eines 15-Jährigen spiegelt die Situation im Township Philippi bei Kapstadt deutlich wider. Einer Gegend, in der nicht selten:

•    11-Jährige in Straßengangs aufgenommen werden
•    schon 12-Jährige mit Schusswaffen umherlaufen
•    die Straßen von Gangs beherrscht werden
•    die Jugendlichen unter dem Einfluss von Drogen stehen 
•    gewalttätige Jugendliche unter Alkoholeinfluss stehen

Wen wundert es, in Anbetracht der Frustration und Ausweglosigkeit, in der die Menschen leben, wenn dann auch noch Schusswaffen zu einem Preis von  unter 25 Euro auf der Straße verkauft werden.

Das “Lutheran Community Centre iThemba Labantu”, das auch einem Fußballclub seinen Namen gibt (iThemba Labantu Football Club), befindet sich im Township Philippi bei Kapstadt. Das Viertel hält einige traurige Rekorde: 90% Arbeitslosigkeit und 40% HIV-Infiziertenrate führen zu Frustration und Perspektivlosigkeit, die sich in der Regel in einer horrenden Kriminalitätsstatistik widerspiegelt. Philippi hat die höchste Mordrate des Landes (laut offiziellen Zahlen über 400 Morde jährlich, leider muss man aber von einer höheren Zahl ausgehen), Vergewaltigungen, Raubüberfälle sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch sind an der Tagesordnung. Die Menschen leben in überfüllten Hütten, sogenannten Shacks, die aus Wellblech- und Holzbrettern gefertigt sind und weder Schutz vor Regen, noch vor Hitze und Kälte bieten.

Ansatz

Eine Möglichkeit, die Jugendlichen von der Straße zu ziehen, bietet der Fußball. Dort lernen sie Disziplin, Selbstvertrauen und Teamgeist. Disziplin bedeutet, sich an Regeln zu halten und diese für sich anzunehmen, ohne sie in Frage zu stellen. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist es, ihr Selbstbewusstsein aufzubauen, um sie widerstandsfähig gegen Gang-, Drogen- und Alkoholeinfluss zu machen. Durch den Teamgeist lernen sie, sich in eine Gruppe zu integrieren und gemeinsam Ziele erreichen zu können.

Der Fußball hat noch einen weiteren Vorteil: er muss trainiert werden. Dies geschieht hier 4 Tage  in der Woche für jeweils 2 Stunden nach der Schule. Durch das tägliche Training werden die Jugendlichen von der Straße ferngehalten und können ihre Energie abbauen.  Da am Wochenende Wettkämpfe sind, werden sie auch dann beschäftigt. Unsere Fußballarbeit gliedert sich in verschiedene Altersgruppen. Vier Trainer leiten aus Idealismus und Leidenschaft diese Arbeit.

Personen

Name:                   Jonginkosi Nombanga
Geburtsdatum:   26. Oktober 1969
Wohnort:              Philippi


Kurze Lebensgeschichte:

„Ich bin Joginkosi („Joe“). Ich bin der Trainer der iThemba Labantu Fußball Teams. Ich bin 40 Jahre alt. Ich bin ein Fußballtrainer aus Leidenschaft. Ich bin damit aufgewachsen, Fußball zu spielen, und wollte als Kind professioneller Fußballer werden. Mein Vater hat mich stets in meinem Traum unterstützt. Unglücklicherweise konnte ich meinen Traum nicht erfüllen, da eine Knieverletzung dazwischen kam. Da habe ich mir gesagt, dass ich Trainer werden muss, da es noch andere Jungs gibt, die an Fußball interessiert sind. Für mich war das Thema Fußball nach der Verletzung noch nicht abgeschlossen.“

Motivation, Fußball zu trainieren: „Ich halte die Kinder von schlechten Einflüssen fern, in dem ich sie auf dem Platz beschäftige. Wenn wir nicht Fußball spielen, dann sitzen wir zusammen, und schauen uns Fußballspiele an oder unterhalten uns.

Ich spreche mit ihnen über die Gefahren, die von Drogen, Gangmitgliedschaft, etc. ausgehen. Ich benutze professionelle Fußballspieler als postive Beipiele, die aus ursprünglichen Verhältissen stammen. Am liebsten würde ich meine Hütte ausbauen, da viele Spieler ohne ihre Eltern leben und aus menschenunwürdigen Bedingungen kommen. Ich würde sie bei mir unterbringen, und ihnen ein Vater sein.“

    Name:                            Zithobile Jojo
    Geburtsdatum:            26. Februar 1981
    Wohnort:                      Philippi

    Motivation, Fußball zu trainieren: „Junge Menschen von der Straße fern halten und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen als die hinter Gittern. Ich zeige ihnen immer die guten Dinge im Leben, damit sie hart dafür arbeiten und ihre Lebensträume erfüllen können.  Ich glaube, dass Gott ihre Bemühungen nicht unbelohnt lassen wird.“

    Ausblick

    Bericht von einem Gemeindezentrum-Mitarbeiter

     

    Dieser Junge besuchte drei Jahre lang unsere zweisprachige Pre-School. Trotz intensiver Betreuung haben wir immer wieder mit seinen Aggressionsanfällen zu kämpfen gehabt. Er ging auf andere los und wir konnten ihn kaum von den anderen Kindern losreißen. Die Frustration und tiefsitzende Aggression in einem Fünfjährigen waren erschreckend.

    Mittlerweile besucht er eine Grundschule, auch dort musste er aufgrund mangelnder Konzentrationsfähigkeit die erste Klasse wiederholen. Er kommt zur Nachmittagsbetreuung ins Centre. Dort hat er die Liebe zum Fußball entdeckt.
    Es ist wirklich faszinierend, ihn zu beobachten. Während wir sonst seine in Frustration und Aggression investierte Energie kaum zu bändigen vermochten, kommt nun sein wahres Wesen zum Vorschein. Er kann sich stundenlang mit dem Fußball beschäftigen. Auch ist er, im Gegensatz zu seinen Altersgenossen, absolut teamfähig und passt den Ball zum Teil völlig uneigennützig. In ihm schlummert ein wahres Talent!

    Warum ist das so erstaunlich, werden Sie vielleicht fragen? Dies ist einfach zu beantworten: weil der Junge aus Philippi kommt. Konflikte werden hier fast nur mit Gewalt gelöst. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich in der Familie um Ehestreitigkeiten (beide Parteien gehen auf einander los), oder Kindererziehung (Schläge sind die Konsequenz) handelt. Auf den Straßen rauben die Kids mit Messern oder Pistolen andere Menschen aus. Für ein Handy wird erschossen und nach zu viel Alkoholkonsum landet das Messer tödlich im Gegenüber.

    Als ich die Aggression in Sithembeles Augen gesehen habe, habe ich ihn mir als 11-/12-Jährigen vorgestellt, mit einem Messer in der Hand, am falschen Ort und unter falschem Einfluss. Das ist keine ausgedachte Horrorgeschichte, sondern oft die grausame Realität in Südafrikas Townships. Dieses Kind kommt aus einem Zuhause, das von häuslicher und äußerlicher Gewalt geprägt ist. Trotz aller Bestrebungen, durch die wir seine traumatischen Erfahrungen zu kompensieren versuchen, ist bis jetzt der „Fußball“ die einzige, die seine Energie positiv und zu seinem Besten zu nutzen vermag. Schicksale wie dieses sind leider kein Einzelfall, und deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung. Wir können die Umgebung nicht verändern, aber wir können den Kindern Alternativen anbieten.

    Da die Kinder ab dem durchschnittlichen Alter von 11 Jahren in Straßengangs geraten, und ab diesem Zeitpunkt oft nur Schadensbegrenzung möglich ist, ist es wichtig, sie schon ab dem Grundschulalter so oft und so viel wie möglich zu beschäftigen. Dafür reicht aber unsere Kapazität nicht aus. Der Fußballplatz ist zwar von der Stadt Kapstadt in Anbetracht der bevorstehenden Weltmeisterschaft und aufgrund von Wahlversprechen renoviert worden, allerdings ist der Platz für 12 Teams aus dem Township Philippi bestimmt, die alle täglich trainieren. Darauf steht jedoch lediglich ein Zeitraum von 3 Stunden zur Verfügung. Insgesamt gibt es an die 100 registrierte Teams in der Greater-Philippi-League - das ist die Liga in Philippi, in der auch unsere Teams spielen. In jeder Altersgruppe unserer Teams spielen ca 15 Spieler, die alle 1 bis 2 Stunden täglich trainieren. Zudem kommen 25 nicht registrierte Teams. Diese Teams müssen sich auf die beiden in Philippi vorhandenen Fußballplätze aufteilen.

    Es ist von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit für den südafrikanischen Fußball, in Nachwuchsarbeit zu investieren. Das übersteigt jedoch vor allem die räumlichen Möglichkeiten. Dank großzügiger Spenden konnten wir unser Team schon mit einem Satz Trikots und Fußballschuhen ausstatten. Außerdem brauchten wir dringend Bälle, um ordentlich trainieren zu können. Alljährlich findet am Ende des Jahres eine Feier statt, an der alle unsere Teams, die Eltern der Spieler und die Trainer teilnehmen. Diese Feiern fördern vor allem den Zusammenhalt in und zwischen den Teams. Auch diese Feier wird durch Spendengelder finanziert.

    Was uns Mut macht:

    Unser ganzer Stolz sind drei unserer Spieler, die den Sprung geschafft haben und nun auf Elite-Fußball-Schulen gehen. Diese Schulen vermitteln die Spieler automatisch an südafrikanische Profi-teams. Einer der Spieler träumt davon, eines Tages in der Bundesliga spielen zu dürfen. Helfen Sie uns, den Ball am Rollen zu halten, denn in Philippi ist Fußball mehr als nur ein Spiel.

    Fußball-Endjahresfeier im Gemeindezentrum

    Ein Bericht von Sophie Zittel und Jonathan Schmidt


    Endlich war es soweit: am 3. Dezember fand unsere Fußball-Endjahresfeier statt. Das Datum wurde bewusst auf den Tag vor der WM-Gruppen-Auslosung gelegt – so konnten wir uns gemeinsam darauf einstimmen. Die ganze Veranstaltung fand dieses Jahr zum ersten Mal im Community Centre iThemba Labantu statt, um den Kontakt zwischen Gemeindezentrum und Team zu intensivieren.

    Die Spieler strömten in Massen in die Kirche, wo der erste Programmpunkt auf sie wartete. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch eine kleine Rede und ein anschließendes Gebet vom Leiter des Centres, Pastor Otto Kohlstock. Andächtig saßen die 80 Anwesenden in den Reihen. Es folgten Worte des Dankes unsererseits: Dank an die Trainer für ihre Aufopferungsbereitschaft und Dank an die Spieler für die Kontinuität, mit der sie dem Fußball nachgehen. Ziel unserer Ansprache war es, die Identifikation der Spieler mit der Jugend von Themba Labantu zu stärken. In der anschließenden Rede des Trainers wurde die tiefe Dankbarkeit deutlich, die iThemba Labantu und seinen Sponsoren entgegengebracht wird.

    Den Abschluss des ersten Teils unseres Programmes bildete eine Motivationsansprache von Ralf, dem erfahrenen Fußballtrainer aus München. Unsere südafrikanischen Trainer profitieren sehr von seiner Erfahrung auf dem Feld. Ralf bekundete den Spielern seinen Respekt dafür, dass sie sich entschieden haben, Fußball zu spielen und nahm ihnen das Versprechen ab, dem Fußballsport treu zu bleiben.

    Den zweiten Teil des Programms bildete ein geselliges Beisammensein am Grill. Der Stammestradition der Xhosa gemäß wird der Erfolg einer Veranstaltung an der Menge an vorhandenem Fleisch gemessen. Dessen waren wir uns bewusst, dennoch haben 32 Brote, 60 Äpfel, 50Kg Fleisch und 60 Liter alkoholfreie Getränke den Abend nicht überstanden.

    Während des Grillfestes gab es noch eine Auseinandersetzung zwischen dem Cheftrainer Joe und einigen älteren Spielern. Der gewählte Zeitpunkt dafür mag unpassend erscheinen, dem ist jedoch nicht so. In der problematischen Umgebung Philippis ist es von großer Bedeutung, Problemen und Fehlverhalten unverzüglich nachzugehen, um diesen in Zukunft vorzubeugen. Die Spieler waren in der vorigen Woche nicht zum Training erschienen. Dass der Trainer sich jedes einzelnen Spielers annimmt und deren Problemen nachgeht, hat uns gefreut und bestätigt. Den Spielern wird auf diese Weise das Gefühl vermittelt, dass es nicht egal ist, ob sie kommen oder nicht. Jeder Spieler bekommt das Gefühl, wichtig zu sein.

    Mit dem gemeinsamen Essen endete die Veranstaltung. Die Spieler gehen jetzt in die Saisonpause und wir alle können zufrieden auf einen guten Saisonbeginn und eine gelungene Endjahresfeier zurückblicken.

    Wir möchten nun noch die Gelegenheit nutzen, im Namen des gesamten iThemba Labantu F.C. der Philipp Lahm-Stiftung für ihre Unterstützung zu danken. Wir freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit im Jahr 2010.

     

    Sophia Zittel leitet die Jugendarbeit im Gemeindezentrum Thema Labantu. Vor einigen Jahren kam sie als Freiwillige zum Projekt in Philippi und studierte dann in Kapstadt Soziale Arbeit. Jonathan Schmidt wurde vom Berliner Missionswerk entsandt und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger mit.

    Trainerbericht

    Bericht vom Fußballtrainer Ralf Sattler

     

    Aus meiner sicht als Fußballtrainer ist es auf der einen Seite sehr schön zu sehen, mit welcher Begeisterung und wie zahlreich die Kids bis zu viermal in der Woche am Training teilnehmen. Inzwischen sind vor Ort fünf Jugendteams von der U-9 bis zur U-17, die hauptsächlich von drei einheimischen Trainern betreut werden. Drei Mannschaften nehmen bereits sehr erfolgreich an Liga-Spielen der "Philippi-League" teil.

    Auf der anderen Seite gibt es aber doch noch die schwierigen Verhältnisse, mit denen die Kinder und die Trainer tagtäglich zu kämpfen haben. Den Sportplatz können wir nicht allein für unsere Teams nutzen, da wir ihn mit drei bis vier anderen Mannschaften teilen. Für die inzwischen immer häufigeren Spiele muss jeweils eine Gebühr bezahlt werden. Um eine sinnvolle Trainingsarbeit leisten zu können, fehlt es leider weiterhin an notwendigem Material wie ausreichend Fußbällen, Stangen, Trainings-Jerseys, kleinen Toren usw.

    Gerade hier in den Townships ist es eminent wichtig, die Arbeit mit den Jugendlichen im Bereich Fußball nicht nur in der jetzigen Form fortzusetzen, sondern noch auszubauen. Der Fußball bietet oft die einzige Möglichkeit, die Kids von der "Straße" fernzuhalten und damit ein Abrutschen in Kriminalität, Drogen und Alkohol zu verhindern. Aufgrund der vor Ort gut geleisteten Arbeit kommen immer mehr Kinder und Jugendliche zum Training. Mehr Trainer sowie eine bessere Trainerausbildung sind nötig, denn die Anzahl der interessierten Kinder übersteigt mittlerweile die Kapazität der Trainer.

    Ich hoffe sehr, dass die Unterstützung der Philipp-Lahm-Stiftung weiterhin dazu beitragen wird, den Kids eine Hoffnung und Zukunftsperspektive zu geben und vor allem, dass sie uns ermöglichen wird, diese wichtige und äußerst sinnvolle  Arbeit weiter auszubauen.

     

    Ralf Sattler ist Grundschullehrer, Sportlehrer und ausgebildeter Fußballtrainer. Er ist seit Herbst 2009 ehrenamtlicher Projektmitarbeiter und bleibt ein halbes Jahr.

    Bericht über den Philippi-„Confed Cup“

    Dank der großzügigen Unterstützung der Philipp-Lahm-Stiftung fand am Wochenende 13./14. Februar diesen Jahres auf dem Sportplatz in Philippi der „iThemba Labantu Confederations-Cup 2010“ statt. Acht Jungen – und vier Mädchenteams traten dabei in unterschiedlichen Wettkämpfen gegeneinander an. Jede Mannschaft vertrat eine der Nationen, die auch an der echten Weltmeisterschaft diesen Winter teilnehmen wird.

     

    Die Jugendlichen sollten sich mit dem jeweils zugelosten Land und dessen Fußballteam auseinandersetzen.Ziel war es, die Begeisterung, welche die Weltmeisterschaft mit sich bringt  auch mit den Menschen aus den Townships zu teilen. Trotz frühzeitiger Planung (wir haben im November begonnen) geschah vieles in letzter Sekunde. Das Township Philippi besitzt eine eigene Liga von 32 Teams, die sich einen einzigen Fußballplatz teilen müssen. Bei den Vorsitzenden dieser Liga, die wir einluden mit uns das Organisationskomitee zu bilden, stieß die Idee des Mini-Confederations-Cup auf große Zustimmung und so war auch die Bereitschaft groß, das Turnier zusammen Wirklichkeit werde zu lassen.

     

    Oragnisation mit Hindernissen

     

    Obwohl die Zuständigkeiten verteilt waren,ergaben sich noch einige Schwierigkeiten. Beispielsweise blieb die Erfüllung der Aufgaben von Seiten der Liga anfangs aus. Bei einem Meeting, das Sophia daraufhin besuchte, stellte sich heraus, dass Teile der Mitarbeiter nicht einmal über das Stattfinden des Turniers informiert waren. Der Grund lag größtenteils in dem Wechsel eines Vorstandes. In unsere Pläne eingeweiht stellte sich der neue Vorsitzende schnell als zuverlässiger Partner heraus, der alle zugewiesenen Aufgaben gewissenhaft und zeitnah erledigte. So fand das Turnier dann auch statt.

     

    Nach drei kurzen Ansprachen von Jonathan, als Repräsentant der Sponsoren (iThemba Labantu, Philipp-Lahm-Stiftung), dem Präsidenten der Philippi-Liga und unseres Trainers begann das Eröffnungsspiel pünktlich um 11 Uhr und hätte kaum spannender sein können. Der iThemba Labantu F.C. stellte sich den „Johannesburg Strikers“. Nach 90 Minuten stand es 1:1. Aus Zeitgründen ging es gleich ins Elfmeterschießen, dass unser Team dann mit 7:5 gewann. Die drei weiteren Partien des Tages verliefen ebenfalls gut und ohne größere Zwischenfälle, auch wenn die zugesicherte Polizeipräsenz aufgrund des Besuchs des Präsident von Südafrikas, Jacob Zuma, in einem Nachbar-Township an diesem Wochenende nicht realisiert werden konnte.

     

    Freude bei Teilnehmern und Siegern

     

    Von den verschiedenen Teams sehr positiv aufgenommen, wurde unser Entertainment-Programm. Wir haben einen DJ mit Soundsystem organisiert und die hauseigene Marimba-Band spielte. Dies trug maßgeblich zur wirklich guten Stimmung während des Turniers bei. Mit einem spannenden Finale zwischen Ägypten und Spanien ging am Sonntagabend der Mini-Confederations-Cup zugunsten Ägyptens zu Ende. Bei den Frauen gewann Kamerun - ein Team aus dem Township Gugulethu. Stolz  nahmen die Sieger der Mädchen- und Jungenmannschaften ihre Trophäen und Medaillen entgegen, wobei die handsignierten Philipp Lahm Trikots als erster Preis für besondere Begeisterung sorgten.

     

    Nicht zuletzt die hohen Zuschauerzahlen belegen den großen Erfolg unseres Turniers. Auch die Tatsache, dass für ein Wochenende 300 Jugendliche friedlich den Event besuchten und ein Gemeinschaftserlebnis hatten, war ein positiver Effekt. Wir haben aus den Vorbereitungen viel gelernt und wertvolle Kontakte geknüpft, auf die wir bei dem größeren Turnier, welches im Mai geplant ist, zurückgreifen können. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei der Philipp-Lahm-Stiftung bedanken, die diese Veranstaltung dank finanzieller und materieller (Trikots) Unterstützung möglich gemacht hat.

     

     

    Sophia Zittel leitet die Jugendarbeit im Gemeindezentrum Thema Labantu. Vor einigen Jahren kam sie als Freiwillige zum Projekt in Philippi und studierte dann in Kapstadt Soziale Arbeit. Jonathan Schmidt wurde vom Berliner Missionswerk entsandt und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger mit.

     

     

     

     

     

     

     

    Bericht zur Saison 2009/10

    Mit dem Einbruch des südafrikanischen Winters geht eine erfolgreiche Fußballsaison zu Ende. Inzwischen kicken 120 Kinder in sechs Altersklassen unter dem Namen iThemba Labantu. Neben diesem enormen Mitgliederzuwachs, einer Verdreifachung seit August vergangenen Jahres, sind auch die Ergebnisse aus sportlicher Sicht sehr erfreulich. Fünf Trophäen erkämpften sich die Teams, überwiegend bei Turnieren. Unser erstes Team gewann die Meisterschaft mit 29 Siegen in 31 Partien und machte damit den Aufstieg in die erste Liga perfekt.


    Ein fast noch bedeutenderer Erfolg für iThemba Labantu ist aber die zunehmende Identifikation der Kinder und Jugendlichem mit dem Verein. Der Name „iThemba Labantu F.C.“ auf ihrer Brust erfüllt sie mit Stolz und steht inzwischen für einen gefürchteten Gegner in Philippi.

    Herausforderungen

     

    Durch das wachsende Vertrauen und die zunehmende Identifikation der Spieler mit iThemba Labantu bekom- men wir aber auch tiefere Einblicke in deren sozialen Hintergrund. Während der Fokus der Fußballarbeit in Deutschland maßgeblich auf der Ausstattung und dem Training liegt, werden hier in Afrika materielle Aspekte zur Nebensache. Probleme wie Hunger, elternlose Kinder oder der Umgang mit Schul- abbrechern stellen eine zusätzliche Herausforderung dar.

    Die Fußballarbeit bleibt zwar dabei weiterhin von fundamentaler Bedeutung, für eine konstruktive Jugendarbeit bedarf es aber unbedingt der Einbeziehung der sozialen Umstände.


    Hinzu kommen bürokratische Schwierigkeiten. So hat einer unserer Fußballspieler keine Geburtsurkunde. Obwohl dieser Spieler ein hohes Potenzial hat und bereits eine Soccer Academy besucht, droht diese ihm nun mit Kündigung, wenn er nicht bald das Dokument vorweisen kann. Zur Beantragung einer Geburtsurkunde braucht man jedoch entweder ein bestätigendes Dokument der Geburt, oder die Mutter. Die Geburt wurde jedoch nie registriert und die Mutter ist verstorben. Auch ein derartiges Schicksal ist leider kein Einzelfall.

     

    Unterstützung aus München

     

    Die positive Entwicklung des iThemba Labantu F.C. bezüglich der Mitgliederzahlen ist zwar erfreulich, bringt aber auch personelle sowie finanzielle Schwierigkeiten mit sich. Die drei ehrenamtlichen Trainer, stoßen bei der Betreuung von 120 Spielern mittlerweile an ihre Grenzen.  Wir wollen daher in Zukunft versuchen, Nachwuchs aus den eigenen Reihen aufzubauen, sodass ältere Spieler den Trainern bei dem Training der Jüngeren assistieren können. Außerdem steigen durch das Wachsen des Vereins natürlich auch die finanziellen Belastungen. Kosten für 120 Trikots, die Verpflegung der Kinder und die Registrierung beim südafrikanischen Fußballbund müssen getragen werden. Außerdem brauchen so viele Kinder sehr viel Platz…

     

    Dank der Hilfe durch die Philip Lahm-Stiftung war nicht nur für die materielle Grundausstattung des Vereins gesorgt, sondern auch eine Endjahresfeier mit genug Essen und Trinken für alle Spieler möglich. Sogar die Organisation eines Turniers, an dem Teams aus ganz Philippi teilnahmen, konnte aus den Spenden finanziert werden.

     

    Ein unvergesslicher Tag im WM-Land 2010

     

    Das absolute Highlight aber stellte ein Besuch im Green-Point-Stadion in Kapstadt dar. In ganz Südafrika steigt die Euphorie hinsichtlich der Weltmeisterschaft. Profitieren werden davon aber vor allem die Innenstädter und die Touristen. Die Townships werden größtenteils leer ausgehen. Die Chance, ein Spiel in Kapstadt live anzusehen, wird wohl kaum jemand aus den Townships haben.

     

    Umso schöner ist es, dass unsere Trainer und alle 120 Spieler Dank der finanziellen Hilfe aus München die Möglichkeit hatten, im Kapstadter WM-Stadion ein Spiel zwischen den U-20 Mannschaften von Südafrika und Nigeria zu erleben. Die SAFA (South African Football Association) hat dies für Fußballmannschaften organisiert, die dann zu einem geringen Pro-Kopf Preis dem Spiel beiwohnen konnten. Die Eintrittsgelder kommen der Jugendarbeit der SAFA zu Gute.

     

    Sophia Zittel und Jonathan Schmidt, Philippi, 6. Mai 2010

     

    Sophia Zittel leitet die Jugendarbeit im Gemeindezentrum Thema Labantu. Vor einigen Jahren kam sie als Freiwillige zum Projekt in Philippi und studierte dann in Kapstadt Soziale Arbeit. Jonathan Schmidt wurde vom Berliner Missionswerk entsandt und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger mit.